Glaubensfragen

Meine Nicht-Gemeinde [Blogparade]

Nun habe ich diesen Beitrag doch ein Weilchen vor mir hergeschoben und so ganz sicher bin ich mir auch noch nicht, was ich überhaupt schreiben möchte. Aber als ich bei Martha die Blogparade „Was bedeutet mir (m)eine Gemeinde?“ entdeckt habe, hatte ich eigentlich sofort den Impuls, etwas beizusteuern.

Tatsächlich folge ich fast gar keinen christlichen Blogs. Das liegt zum einen daran, dass ich noch nicht viele gefunden habe, zum anderen an den häufig begrenzten Folgemöglichkeiten. Ich folge ja am allerliebsten via Bloglovin, aber viele Blogs haben sich nicht mit der Plattform verbunden. Und auch wenn ich mir manche Blogs einfach in meiner Leseliste abgespeichert habe, vergesse ich doch, dort nachzuschauen. Eine Blogparade ist da vielleicht gar keine schlechte Möglichkeit, noch ein paar interessante Einblicke zu gewinnen.

Martha folge ich hauptsächlich via Twitter und schätze besonders ihre „#Kindermund“ Beiträge, aber auch ihre durchdachten und immer wieder zum Nachdenken anregenden Blogartikel.

Das Thema der Blogparade hat mich direkt gereizt, denn wie der Titel meines Blogposts vermuten lässt – ich habe keine Gemeinde. Ich gehe in keine Kirche, bin nirgendwo offizielles Mitglied. Und fühle mich dennoch nicht weniger als Gotteskind oder Jesusjünger, als jemand, der sonntags zum Gottesdienst (?) oder mittwochs zur Bibelstunde geht.

Was ist „die Gemeinde“?

Und damit wäre wir schon mitten im Thema, denn was man unter Gemeinde versteht, kann schon mal sehr unterschiedlich sein. Mich interessiert daher, was die Bibel zur Gemeinde zu sagen hat.

Die Gemeinde als Zusammenschluss

Tatsächlich gibt es in der Bibel keine so konkreten Anweisungen, wie eine Gemeinde auszusehen und zu funktionieren hat, auch wenn u.a. viele Kirchen nach sehr engen Maßstäben und Mustern das Gemeindeleben organisieren. – Was auch prinzipiell nicht falsch ist oder sein muss, aber auch nicht vorgeschrieben.

Dennoch haben wir ein paar Anhaltsstellen, insbesondere die Apostelgeschichte bietet uns ein Vorbild, denn hier lesen wir, wie die erste Gemeinde in etwa ausgesehen hat.

Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Apostelgeschichte 2:46, 47

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

Apostelgeschichte 4:32

Die Gemeinde wird hier beschrieben als Zusammenschluss von Menschen, die Gott fürchten und ehren und ihr Leben miteinander in Gemeinschaft verbringen. Es sind Menschen, die die Erlösung durch Jesus‘ Tod und Auferstehung angenommen haben und somit gerettet sind. Wie genau ihr Tag, ihre Woche, ihr „Kirchenleben“ ausgesehen hat, welche Rituale es beispielsweise gab, das erfahren wir so konkret überhaupt nicht. Wir lesen von der Gemeinschaft und der Einmütigkeit. Davon, dass sie sich in gewisserweise nun als Familie gesehen haben, die alles miteinander teilt – Essen, Häuser, Freude, Leid.

In den Briefen finden wir immer wieder genauere Anweisungen, insbesondere auch für das Verhalten innerhalb der Gemeinde unter den Geschwistern.

Und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlung, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.

Hebräer 10:24,25

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.

1. Johannes 1:7

Der Anspruch ist kein geringerer als im Licht zu wandeln, so wie Jesus im Licht ist. Dabei sind auch Ansporn und Ermahnung wichtiger Bestandteil des Miteinander unter Christen.

Die Gemeinde als Leib Christi

Ein häufiges oder bekanntes Bild ist auch die Gemeinde als Leib Christi, welches wir besonders bei Paulus – im 12. Kapitel des 1. Briefs an die Korinther, insbesondere die Verse 12-31 – ausformuliert finden.

Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ein Glied.

Vers 27

Diese Formulierung mag für Nicht-Gläubige abstrakt oder seltsam erscheinen. Für mich war es anfangs ehrlich gesagt auch eine seltsame Vorstellung. Aber ich merke immer mehr, wie ich biblische Bilder und Sprache verstehe, verinnerliche und nicht mehr merkwürdig, sondern als tröstlich empfinde.

Meine Gemeinde

Noch einmal weg von der „Theorie“. Wie sieht denn nun mein Gemeindeleben aus?

Es ist ein  Thema, mit dem ich mich viel beschäftigt habe und über das ich immer wieder nachdenke.

Meine „Ortsgemeinde“ bestand die ersten Jahre nur aus meinem Bruder und mir. Seit nun fast zwei Jahren gehört auch unsere Mutter, die sich nach uns bekehrt hat, dazu. Wir treffen uns einmal die Woche zu dritt für unsere „Bibelstunde“, wie ich es einfach nenne. Wir lesen dort in der Bibel zu bestimmten Themen oder auch mal ein Buch am Stück. Mal nehmen wir externe Literatur hinzu, mal konzentrieren wir uns ausschließlich auf die biblischen Inhalte.

Anschließend besprechen wir häufig noch Fragen oder persönliche Anliegen, die in der Woche aufgekommen sind.

Diese Treffen verlaufen nicht nach einem bestimmten Plan, aber grade seit meine Tochter dabei ist und dementsprechend schon einmal für Unruhe und Unterbrechungen sorgt und wir uns nun einmal als Familie treffen, ist es uns sehr wichtig, dass es nicht zu einem Kaffeekränzchen wird und wir uns ernsthaft auf den Text, Belehrung und biblische Botschaften konzentrieren.

Diese beiden Menschen, die nun nicht nur meine Blutsverwandten, sondern (auch) meine Geschwister im geistigen Sinne sind, sehe ich in der Regel häufiger als bei diesem wöchentlichen Treffen. Und auch wenn wir uns nicht extra zum Bibellesen sehen, empfinde ich die Gemeinschaft als genau das – Gemeinschaft unter Christen. Und das ist es, was für mich Gemeinde ausmacht.

Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Matthäus 18:20

Demensprechend möchte ich meinen Satz „ich habe keine Gemeinde“ revidieren. Denn dieser Vers, diese Aussage von Jesus selbst, kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich über unsere Art des Gemeindelebens nachdenke und er gibt mir somit auch immer wieder Sicherheit, Mut und Trost.

Wir sind nicht weniger eine Gemeinde Christis, nur weil wir keinen offiziellen Versammlungsort haben, kein eingetragener Verein sind und auch keinen festgelegten Abläufen folgen.

Der Wunsch, zu einer „richtigen“ Gemeinde zu gehören, kam immer mal wieder auf. Aber ich sage es ganz ehrlich – es gibt in unserer Umgebung entweder keine Gemeinde, zu der wir gehen könnten oder wir haben sie noch nicht gefunden.
Und tatsächlich ist wohl vor allem der Wunsch, andere Christen kennenzulernen wirklich groß, da unsere komplette restliche Familie und auch alle Freunde entweder Atheisten oder weltlich lebende Namenschristen sind, vielfach mit sehr esoterischer Orientierung.

Was bedeutet mir meine Gemeinde?

Meine Gemeinde ist somit einerseits meine Familie, also mein Bruder und meine Mutter. Andererseits aber auch das Wissen über die vielen Christen weltweit, die ich (noch) nicht persönlich kenne, denen ich mich aber wirklich wie Geschwistern verbunden fühle.

Wenn ich merke, dass ein Mensch wahre Liebe für unseren Herrn hat und lebt, dann fühle ich mich diesem Menschen auf eine ganz andere und auch tiefere Art verbunden, als ich das bei meinen langjährigen Freunden kenne. Es ist ein Phänomen, das man wohl selbst erleben muss, um es zu verstehen bzw. nachzuempfinden.

Denn Christ zu sein, kann auch wirklich einsam machen. Zu wissen, dass es diese Menschen da draußen gibt, gibt unglaublich viel, besonders wenn man sich allein gelassen fühlt.

Meine Gemeinde ist also unglaublich bedeutsam für mich. Die Unterstützung, die ich vor Ort von meinem Bruder und meiner Mutter erfahre – sowohl auf geistiger als auch auf rein praktischer Ebene – ist unbezahlbar. Der Trost durch, die Liebe für, die Verbundenheit mit Glaubensgeschwister(n) weltweit, sei es durch (Hör-)Bücher, Interviews, Videos, Artikel, Social Media, … ganz genauso.

Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Markus 3:35

Somit bleibt der Wunsch nach direkten Kontakt zu Christen bestehen. Ganz genauso der Wunsch, das Gebet und die Hoffnung, dass sich viele der Menschen aus meinem Familien- und Freundeskreis noch bekehren werden.
Meine Gemeinde, mein Gemeindeleben empfinde ich aber schon jetzt als wertvoll, bereichernd und ja – auch biblisch. 🙂

Ich hoffe es ist klar, dass dies meine persönlichen Gedanken zu dem Thema sind. Meine Auseinandersetzung mit den Vorstellungen vieler Christen in unserer westlichen Kultur, die unserer Art von Gemeinde gegenüberstehen und der Versuch, mich selbst und meine Lebensweise biblisch zu hinterfragen. Ich will hier keineswegs jemandem vorschreiben, wie er Gemeinde zu leben hat oder ein universelles Modell vorstellen. Für unsere Situation, für unseren Weg ist es meiner aktuellen Meinung nach zur Zeit die „richtige“ Auslebung von Gemeinde.

Iris Maya

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