Familienleben

Unser nicht ganz windelfreier Wickelweg | Teil 2

Wie versprochen folgt nun der zweite Teil zum ganzen Windel-Wickel-Roman, wobei es heute weniger ums Wickeln und mehr um das Konzept „windelfrei“ sowie das Trockenwerden gehen soll.

Falls euch Teil 1 – meine Ausführungen zu Vor- und Nachteilen von inklusive unseren Erfahrungen mit Stoffwindeln – interessiert und ihr ihn verpasst habt, könnt ihr ihn gerne nochmal hier nachlesen.

Projekt windelfrei – wie geht das mit dem Abhalten?

Ein Punkt, der unseren „Windelweg“ neben den Stoffwindeln sehr erleichtert und eine Menge Windeln gespart hat (wohl mit der Grund, warum bei uns 10 Überhosen ausgereicht haben) ist das sogenannte Abhalten. Ich mag den Begriff lieber als windelfrei(*klick* für eine ausführlichere Erläuterung), denn auch wenn beides im Prinzip das Gleiche bedeutet, finde ich „windelfrei“ irreführend, denn viele Kinder, die „windelfrei erzogen“ werden sind eben nicht wortwörtlich windelfrei.

Beim Abhalten geht es ganz einfach darum, dem Kind von Anfang an zu helfen, sich nicht in der Windel, sondern wie wir eben auch über dem Klo oder beim Baby über der Badewanne oder dem Waschbecken zu erleichtern.
Dabei hält man das Kind mit angewinkelten Beinen, die man an den Bauch drückt. (Wir machen das natürlich nicht mehr, das Bild dient eher dem besseren Verständnis. 😀 )
Zum einen erleichtert diese Position dem Kind den Stuhlgang (grade bei den häufigen Bauchschmerzen in den ersten Wochen und Monaten kann diese Haltung enorm helfen!), zum anderen kommt es seinem Sauberkeitsbedürfnis entgegen. Denn auch wenn Kinder sich beim Wickeln häufig wehren (hier wurde vor einiger Zeit fast immer Zeter und Mordio geschrien, inzwischen geht es wieder…), liegt kein(!) Baby gerne in seinen Exkrementen.

Mir kam die Idee in der Schwangerschaft unglaublich toll vor, als unsere Tochter dann da war hatte ich doch große Zweifel – wie soll ich denn merken, dass sie überhaupt muss?

Ich möchte euch hier Mut machen – man merkt es, man lernt Signale zu deuten und auch schon sehr früh mit dem Kind darüber zu kommunizieren, auch ohne Worte. Anfangs haben wir sie einfach immer dann, wenn wir sie ohnehin gewickelt haben, über’s Waschbecken gehalten. Irgendwann wurde uns bei bestimmten Bewegungen und Verhaltensweise klar, dass da gleich was kommt und so konnten wir nach gar nicht mal so langer Zeit geschätzt 70-85% aller großen Geschäfte und bestimmt 40-50% der kleinen „abfangen“ und mussten viel weniger und seltener Generalsäuberungen vollziehen. Und hatten logischerweise weniger eingesaute Windeln.

Werden die Kinder aktiver, ist es etwas schwieriger, denn man lässt sie vielleicht auch mal kurz aus den Augen und meine Tochter gewöhnte sich irgenwann an, sich zu verstecken, wenn sie „groß“ gemacht hat, da sie wusste, dass sie dann gewickelt wird, was sie nun mal hasst. Das ist natürlich zu kurz gedacht, aber für ein (damals) 14 Monate altes Kind doch gar keine schlechte Denkleistung. Und es setzt voraus, dass sie bevor „etwas kommt“ merkt und weiß, was gleich passiert. Eine der Vorraussetzungen für’s Trockenwerden.

Im Übrigen soll auch das Abhalten helfen, dass Kinder früher trocken werden, da ihnen die angeborene Intuition nicht abtrainiert wird.

Es gibt natürlich auch Familien, die windelfrei wortwörtlich praktizieren, das war uns aber doch zu heikel und so haben wir einen guten Zwischenweg aus Abhalten, Stoff- und Wegwerfwindeln gefunden.

(kein) Töpfchen Training oder unser Weg zum Trockenwerden

Zu guter Letzt noch das fehlende Töpfchen Training. Ab dem Zeitpunkt, an dem wir gemerkt haben, dass sich unsere Tochter wie oben erwähnt ganz bewusst zurückzieht, wenn sie mal muss, vehement verneint, wenn man sie danach fragt, haben wir ihr das Töpfchen angeboten. Das Ausziehen lief und läuft nach wie vor immer wieder mit Geschrei ab, selbst wenn sie inzwischen mit Worten „diti“, „tata“ (ja, die Sprachentwicklung ist noch nicht so weit^^) ankündigt, dass es soweit ist, aber sobald die Windel weg und der Body hochgeknöpft ist (übrigens ein Tipp der Großeltern, total einfach aber sinnvoll!), setzt sie sich bereitwillig aufs Töpfchen, liest ein Buch und ist stolz wie bolle wenn das Töpfchen gefüllt ist. 😉

Die ersten Male kam gar nichts, dann vielleicht mal ein paar Tropfen Pipi. Inzwischen macht sie aber doch meistens ins Töpfchen und wichtig war für mich dabei, keinen Druck aufzubauen. Wir loben sie und bringen den Töpfcheninhalt zusammen weg. Sie darf abziehen und sie entscheidet, wann sie fertig ist. Aber wenn sie nicht wollte, haben wir sie nie gezwungen und natürlich auch nie geschimpft, wenn sie doch in die Windel oder auch mal neben das Töpfchen gemacht hat.

Bis sie komplett trocken ist, dauert es sicher noch etwas und das ist okay so. Sie wird erst im Januar 2 und ich finde, sie soll sich die Zeit nehmen, die sie braucht. Wichtig ist, dass das Kind den Startschuss gibt. Man kann es immer wieder versuchen und anbieten, aber ich glaube, dass Druck hierbei völlig kontraproduktiv ist. Es müssen verschiedene körperliche und auch kognitive Voraussetzungen gegeben sein. Ein Kind mit Töpfchen Training zu überfordern halte ich wirklich für falsch und es wird wohl hauptsächlich Frustration hervorrufen, bei Eltern und Kind.

Hilfreich waren und sind bei uns noch zwei Sachen:

Erstens die passende Lektüre. „Bist du fertig, Klara?“ haben wir einfach neben das Töpfchen gelegt und es wurde sofort jedes Mal mit Begeisterung gelesen. Das Buch über den „[..] kleine[n] Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ war eher ein Zufallstreffer. Denn als das Thema Töpfchen aktuell wurde, hat die Kleine es sich selbst unter vielen anderen Bilderbüchern ausgesucht und jeden Abend wurde mit lauten Kaka-Rufen der Hundehaufen auf dem Maulwurfskopf bewundert. Bei uns war also völlig klar, welches Thema grade von größtem Interesse ist.

Die Animation habe ich meiner Tochter bisher natürlich noch nicht gezeigt, aber ich hatte dann doch selbst meinem Spaß bei der Filmversion. 😀

Das zweite ist ganz simpel die Vorbildfunktion. Wenn ich auf Toilette gehe, darf meine Tochter mitkommen oder ich lasse wenigstens die Tür offen. Wenn sie auf dem Töpfchen sitzt, möchte sie am liebsten, dass neben ihr auch jemand auf dem Klo sitzt, dabei ist es ihr völlig egal, ob mit oder ohne Hose. 😉 Aber Kinder ahmen nach und sollten mitbekommen, dass auf Toilette zu gehen etwas völlig normales ist. So besteht auch früher der Wunsch des Kindes, es selbst zu können, so wie bei vielen anderen Dingen wie mit Besteck essen, Jacke und Schuhe anziehen, sich die Haare kämmen oder die Hände abtrocknen.

Im Übrigen finde ich es vollkommen selbstverständlich, dass man dem Kind nicht sagt, dass der Windel- oder Töpfcheninhalt eklig ist. Ich darf ehrlich sein und sagen, wenn es stinkt und sollte dem Kind auch beibringen, dass man Kaka und Pipi nicht anfasst oder damit spielt. (Manche Leute gehen da für mich viel zu weit, wenn sie meinen, das würde schon das Selbstwertgefühl des Kindes herabsetzen und es sollte sich ausprobieren…), aber es muss auch klar sein, dass eben beides natürlich ist und man sich dafür nicht schämen muss. Die meisten Kinder sind wie meine Tochter dann nämlich total stolz auf das, was sie da ins Töpfchen befördert haben und verstehen trotzdem sehr gut, dass sie es nicht anfassen und sich anschließend die Hände waschen sollten.

Einen schönen Beitrag zum Thema Wickeln habe ich hier noch für euch gefunden. Die Tipps finde ich sehr gut, auch wenn mir das Ganze etwas einseitig präsentiert scheint, denn egal wie respektvoll und einbindend ich mit dem Windeln-Wechseln umgehe – manche Kinder wollen einfach nicht. Darunter auch meins. 😉 Ein achtsamer Umgang schadet nie, ist aber auch nicht immer die Lösung des Problems und zur Not, muss ich halt entscheiden, dass jetzt die Windel gewechselt wird, denn ich bin die Erwachsene und weiß, dass stundenlang in einer nassen Windel zu sitzen zu einem wunden Po führen kann, was im Endeffekt definitiv das größere Übel ist, selbst wenn meine Tochter sich fürchterlich aufregt, weil sie ja grade mit ihrem Puzzle oder Duploturm beschäftigt ist. Ich versuche sie wenn möglich nicht aus Aktivitäten herauszureißen, aber ich kann nun einfach mal besser abschätzen, was mehr Sinn macht – sich kurz ärgern, dann aber ganz einfach aufs Töpfchen gehen und danach weiter spielen oder die Windel vollmachen und dann nachher mit bitteren Tränen das Po-Abwischen über sich ergehen lassen.

Wenn es soweit ist, schreibe ich vielleicht noch einen Beitrag, wie es komplett mit dem Trockenwerden geklappt hat, aber bis dahin würde mich viel mehr eure Erfahrungen und vielleicht auch Tipps für gezeterfreies Wickeln oder auch die Windelentwöhnung interessieren!

Iris Maya

5 Kommentare

  1. Wir haben das Abhalten auch praktiziert… Ich bin deshalb darauf gekommen, weil ich zufällig entdeckte, dass es gegen Baby-Bauchschmerz half. Meine Tochter „konnte“ anders nicht so gut… Und so haben wir es gemacht und auch bei den folgenden Kindern zum Teil. Ich fand es einfach cool, mit einem 9 Monate alten Baby keine (!) Kaka-Windeln zu haben. Leider hat er mit 1,5 Jahren keine Lust mehr gehabt und wir haben wieder komplett gewickelt. Das Sauberwerden lief tatsächlich fünfmal unterschiedlich ab. Das wichtigste finde ich, gelassen zu bleiben. Ein Kind war z.B. erst mit über 3 sauber, dafür aber von heute auf morgen und ohne Unfälle. Ein anderes Kind hatte eine sechsmonatige Phase, in der es keine Windel mehr wollte, aber ständig in die Hosen machte (auch groß). Das war echt nervig… Ein Kind war Tag und Nacht zugleich trocken (da es die Windpocken sehr schlimm hatte auch im Intimbereich habe ich die Nachtwindel einfach weggelassen und war erstaunt). Ein anderes Kind hat noch drei Jahre die Nachwindel gebraucht… Trocken sind sie am Ende alle geworden 🙂 Liebe Grüße, Martha

    1. Oh Wahnsinn wie unterschiedlich! Das finde ich echt mega spannend. Das Gelassenbleiben gelingt uns noch ziemlich gut, aber sie ist ja auch noch klein, da haben wir vielleicht einfach Glück gehabt. Aber ich denke das auch immer. Sie ist bspw. ein Spätsprecher und auch das ist okay, sie hat halt andere „Interessen“ und Dinge, die sie lernen möchte. Drauf achten ist gut, aber jedes Kind geht nun mal seinen eigenen Weg so wie wir als Erwachsene ja auch. 🙂
      Liebe Grüße und danke für diene Erfahrungen!

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