Glaubensfragen

Shimabuku – die Bibel als Vorbild

Heute möchte ich euch von einem Dorf berichten, von dem ich vor etwa einem Jahr gehört habe und das mich tief beeindruckt hat.

Shimabuku wurde tatsächlich nur in paar Nebensätzen in einem Vortrag von Steve Gregg erwähnt (ich weiß leider nicht mehr in welchem, aber ich habe euch mal eine Seite mit einer Vielzahl seiner Vorträge verlinkt *klick*) und weckte sofort meine Neugier.

Viel habe ich leider nicht gefunden, aber die Informationen, die online verfügbar sind, habe ich versucht, frei (damit es nicht zu gestelzt klingt) für euch zu übersetzen. Wer gut Englisch versteht, kann auch einfach runter scrollen und sich direkt die Originalberichte durchlesen. 🙂

(Dorf-)Leben nach biblischen Maßstäben

1945 kam John Doe als Kriegskorrespondent in Okinawa nach Shimabuku, ein japanisches Dorf mit um die 1000 Einwohnern. Er und seine Einheit nahmen eine Insel nach der anderen ein, die sie immer näher an Japan selbst heran brachten. Ein Kampf folgte dem anderen und überall begegneten sie ihnen gegenüber feindseligen Menschen, deren einzige Intention es war, die Soldaten wieder von der Insel zu scheuchen.

Schließlich kamen sie auch nach Shimabuku. Da es auf ihrem direkten Weg lag, mussten sie sich auch hier hindurch kämpfen. Auf dem Weg in das Dorf kamen ihm und seiner Gruppe zwei kleine alte Männer entgegen, die sich vor ihnen verbeugten.
Der Übersetzer war verwirrt. Anscheinend wurden sie als „Mitchristen“ von den beiden Männern begrüßt und willkommen geheißen. Einer der beiden – Mojun Nakamura – stellte sich als „Bürgermeister“, der andere – Shosei Kina – als „Schulmeister“ des Dorfes vor. In der Hand hielt einer der Männer eine Bibel.

Die Soldaten hatten andere Dörfer in Okinawa gesehen – alle gleichermaßen heruntergekommen und elend. Im Gegensatz dazu wirkte Shimabuku wie ein funkelnder Diamant in einem Misthaufen.

Überall wurden sie von Lächeln und ehrfürchtigen Verbeugungen begrüßt. Stolz zeigten ihnen die Männer ihre makellosen Häuser, ihre gepflegten und fruchtbaren Felder, ihre Kornspeicher…
Die Männer erzählten ihnen, dass sie bisher erst einen Amerikaner getroffen hatten. Da dieser Christ war, schienen sie vorauszusetzen, dass diese Soldaten ebenfalls Christen seien, auch wenn sie sich fragten, warum sie Waffen trugen.

Auf seinem Weg nach Japan hatte 30 Jahre zuvor ein amerikanischer Missionar in Shimabuku Halt gemacht. Er blieb gerade so lange, um zwei Jünger zu gewinnen – eben diese zwei Männer, die die Soldaten empfangen hatten. Er brachte ihnen ein paar Kirchenlieder bei, ließ ihnen eine japanische Übersetzung der Bibel da und hielt sie an, danach zu leben.
Nach dieser Begegnung hatten sie keinerlei Kontakt mehr zu Christen gehabt.

Trotzdem gelang es diesen zwei Männern, angeleitet durch die Bibel, in 30 Jahren eine christliche Gemeinde zu schaffen, die Gott wirklich ehrte.
Durch die Bibel hatten sie nicht nur in Jesus eine inspirierende Person gefunden, die sie als Vorbild nehmen konnten, sondern auch solide und gesunde Grundsätze, auf denen sie ihre Gemeinschaft gründeten. – Sie übernahmen die Zehn Gebote als „Gesetzbuch“, die Bergpredigt als Anleitung für soziales Verhalten. In Kinas Schule war die Bibel die Hauptliteratur, die täglich von allen Schülern gelesen wurde und aus der bedeutende Passagen auswendig gelernt wurden.

Aufgezogen durch dieses Buch hatte eine ganze Generation daraus ihre Ideen von menschlicher Würde und den Rechten und Pflichten als Bürger gezogen. Das Ergebnis war deutlich zu sehen. Seit Jahren gab es in Shimabuku kein Gefängnis, kein Bordell, keine Trunkenheit, keine Scheidung. Es herrschte ein hoher Grad an Gesundheit und Zufriedenheit.

Am nächsten Tag mussten die Soldaten weiter, aber schon ein paar Tage später, während einer Ruhepause, kam John Doe zurück nach Shimabuku. Um das Dorf herum fuhren Militärkonvois, hinter endlosen amerikanischen Truppen schleppten sich bewaffnete Panzer.
Mittendrin Shimabuku – als „Oase der Ruhe“.

Als John Doe an diesem Tag durch Shimabuku ging, hörte er Gesang. In Nakamuras Haus fand gerade ein merkwürdiger Gottesdienst statt. Da die Menschen aus Shimabuku keinerlei Wissen von Kirchenritualen hatten, hatten sie ihre eigenen entwickelt. Es wurde viel von Kina aus der Bibel vorgelesen, in einem Singsang von den anderen Kirchenmitgliedern wiederholt. Anschließend wurden Kirchenlieder gesungen. Die Lieder „Fairest Lord Jesus” and “All Hail the Power of Jesus’ Name“, die der Missionar ihnen beigebracht hatte, hatten mit der Zeit ein paar Änderungen „erlitten“, aber sie waren wiederzuerkennen.

Nach vielen Gebeten, die spontan von Menschen aus der Menge gesprochen wurden, diskutierten sie Gemeindeprobleme. Nach jeder Frage blätterte Kina schnell in der Bibel, um in einer passenden Passage eine Antwort zu finden. Die Kunstlederhülle des Buches war gerissen und abgenutzt, die Seiten fleckig und von Eselsohren geziert durch den 30jährigen, permanenten Gebrauch. Kina hielt die Bibel mit der andächtigen Vorsicht, die unsereiner zeigen würde, wenn er die originale Magna Charta in den Händen halten würde.
Als der Gottesdienst zu Ende war, wisperte Does Fahrer: „Das kommt also raus aus einer Bibel und einem paar alten Männern, die wie Jesus leben wollen.“ Und mit dem Blick auf einen Granattrichter ergänzte er: „Vielleicht benutzen wir die falschen Waffen.“

An den Namen des Missionars konnten sich weder Kina noch Nakamura erinnern. Aber sie erinnerten sich an seine Abschiedsworte: „Studiert dieses Buch gut. Es wird euch einen starken Glauben an Gott, den Schöpfer geben. Und wenn euer Glaube stark ist, ist alles stark.“

Mein Leben nach biblischen Maßstäben?

Ich möchte an dieser Stelle bitte keine Diskussion über die Authentizität der Geschichte führen. Ich für meinen Teil halte sie für echt und realistisch, selbst wenn vielleicht einzelne Details – wie beispielsweise die wörtlichen Wiedergaben – nicht 100% akkurat sein sollten. (Was übrigens auch bei jeder Biographie so ist, woran sich niemand zu stören scheint, aber das ist ein anderes Thema.)

Ob wahr oder nicht, die Geschichte hat zumindest mich zum Nachdenken angeregt.
Kann ich mich und mein Leben mit den Bewohnern Shimabukus messen? Ist die Bibel, ist Gottes Wort meine erste Anlaufstelle bei moralischen Fragen, wenn ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll? Denke ich immer daran, wie sich Jesus verhalten würde, wenn ich reagiere, wenn ich rede?

Beschämenderweise muss ich diese Fragen alle mit “Nein” beantworten. Viel zu sehr schlucken mich wieder Vorstellungen dieser Welt, Vorstellungen, die ich in den wenigen Jahren, in denen ich nun Christin bin, noch nicht ganz aus meinem Denken, meinem Fühlen, meinem Handeln verbannen konnte. Viel zu oft sind meine Reaktionen und vor allem mein Reden (wie ich hier und hier bereits beschrieben habe) impulsiv und nicht überlegt, auf mich selbst gerichtet, nicht auf Jesus. Viel zu selten messe ich mich an Seinem Vorbild und vergleiche mich stattdessen mit meinen Mitmenschen. Ob ich in diesem Vergleich gut oder schlecht abschneide ist völlig irrelevant, wenn nicht Er mein Maßstab, mein Vergleichswert, meine Messlatte, mein Ziel ist.

Denn was ist Jesus’ Anspruch an mich, an meine Glaubensgeschwister? Nicht genau das – so zu werden wie Er?

Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war.

Philipper 2:5

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.

1. Petrus 2:21

Denn ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.

Johannes 13:15

Sicher! Dieses Ziel ist so hoch, dass mir manchmal schwindlig wird, dass ich, wenn ich ernsthaft und ehrlich darüber nachdenke, nur demütig werden kann, wie weit ich noch davon entfernt bin. Viel öfter sollte ich an Seine Worte, an Seine Aufforderung denken, mich viel weniger an den Maßstäben der Welt messen, mir nicht gut gemeinte Worte wie Honig ums Maul schmieren lassen, sondern mich mit Seinen Augen sehen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater.

Johannes 14:12

Ja, ich bin geliebt. Häufig bleibt diese christliche Botschaft aber alleine stehen. “Du bist gut.” “Du bist genug.” Oder für mich häufig sehr verwirrend: “Du bist perfekt.”

Sagt Jesus, dass wir perfekt sind?
Die Bibel spricht davon, dass wir wunderbar gemacht sind, hier liegt das Lob aber ganz klar beim Schöpfer, nicht bei uns – der Schöpfung.

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Psalm 139:14

Jesus sagt auch, dass niemand gut ist außer Gott. Eine Botschaft, an der ich als humanistisch geprägter Mensch der “Snowflake Generation” der modernen westlichen Gesellschaft arg zu knabbern hatte. Dachte ich doch immer, ich sei ein guter Mensch, so wie das sicher viele von euch denken oder gedacht haben und sich vielleicht über dieses Zitat ärgern werden.

Jesus aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut denn der einige Gott.

Lukas 18:19

Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich mir Jesus viel mehr zum Vorbild nehmen muss. Nur so kann ich christliche Werte wie Demut, Bescheidenheit, Gerechtigkeit und Liebe verstehen, fühlen und vor allem leben. Denn ich will ein Leben nach biblischem Maßstab, wie es jeder Christ wollen sollte.

Weit davon entfernt zu sein, ist kein Grund die Hoffnung zu verlieren. Aber ein Grund, mehr auf Gott zu vertrauen, sich ihm mehr, ihm ganz hinzugeben, das Ziel vor Augen zu behalten, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und mit kleinen Schritten nach vorne zu gehen. Das ist zumindest meine Sichtweise auf meine Unvollkommenheit und Gottes Vollkommenheit, die mich nicht hoffnungslos, sondern im Gegenteil – hoffnungsvoll macht!

Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Psalm 27:14

Iris Maya

 

Quellen/Links

http://www.crossroad.to/Victory/testimonies/Japan.htm

http://www.providentialhistory.org/?p=289

http://www.therestorationmovement.com/_journals/ww/1999/1999-05-WW.pdf S. 5 & 6

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