Familienleben

Mein verspäteter Geburtsbericht – Wehen erkennt man?

Nachdem es letzte Woche nur eine Einleitung gab, geht es heute mit dem Geburtsbericht los. Wobei die Zeit mit Wehen vor dem Geburtshaus für mich besonders prägend war und es deshalb heute genau darum gehen wird.

Wer den letzen Beitrag verpasst hat, kann natürlich nochmal nachlesen, was meiner Meinung nach für und gegen einen Geburtsbericht spricht und weshalb mein Mann und ich uns vor zwei Jahren für das Geburtshaus als Entbindungsort entschieden hatten. Heute widme ich mich dann eher der Frage, ob man Geburtswehen wirklich so eindeutig erkennt. Oder zumindest, wie das bei mir war. 😉

Die Tage vor der Geburt – was sind echte Wehen?

Leider hatte ich keine besonders schöne Schwangerschaft. Es gab glücklicherweise keine Komplikationen, aber mein Eisenwert war dauerhaft so niedrig, dass ich mich permanent übermüdet fühlte und hinzu kam Ende des 5. Monats ein eingeklemmter Nerv aufgrund einer Wirbelfehlstellung, sodass ich ab da fast die komplette Zeit krank geschrieben war. Was mir sehr schwer fiel, da ich mich nicht einmal vernünftig von meinen Schülern hatte verabschieden können zu denen ich ein wirklich enges Verhältnis hatte. Obwohl man von außen die Schwangerschaft also als problemlos hätte beschreiben können, hat sie mir emotional doch recht zugesetzt und ich kam nicht wirklich gut mit der Situation klar, dass das ungeborene Kind in mir, das mir noch so unbekannt war, keinen Namen, kein Gesicht und kein Geschlecht (wir haben uns überraschen lassen) für uns hatte dafür sorgte, dass ich die Kinder, die ich zu dem Zeitpunkt liebevoll als „meine Kinder“ bezeichnet habe und die mir so am Herzen lagen (und auch wenn ich sie nicht mehr sehe immer noch liegen) meinem Gefühl nach im Stich gelassen hatte.

Die letzten Schwangerschaftswochen waren für mich so wie für viele Frauen sehr beschwerlich. Die Senk- und Übungswehen empfand ich als unangenehm, aber mehr zu schaffen machten mir meine Rückenprobleme und Schlafmangel.

Drei Tage vor dem ET bekam ich starke Wehen, die in kurzen Abständen kamen. Irgendwann fing ich an Protokoll zu führen und nachdem die Wehen über 7 Stunden anhielten in genau den Abständen, die uns im Geburtshaus und auch im Geburtsvorbereitungskurs angegeben wurden, in der Intensität, dass ich während der Wehen nicht mehr auf Fragen reagieren konnte, sondern ich mich eben auf’s Atmen konzentrieren musste und ich zudem anfing, unkontrolliert zu zittern, bestand mein Mann darauf, die Hebamme anzurufen.

Kurz danach hörten die Wehen auf und da die Hebamme wohl grade bei einer anderen Geburt war, war sie recht kurz angebunden und meinte, ich solle anrufen, wenn die Wehen stärker wiederkämen.

Diese Nacht habe ich keine Stunde geschlafen, hatte immer wieder kurzzeitig Wehen, aber sie hörten immer wieder auf. Mein Appetit war völlig weg und die nächsten drei Tage protokollierte ich immer wieder stundenlange Wehen in 1-2 minütigen Abständen, die wie bereits zuvor so schmerzhaft waren, dass ich sie veratmen musste und die auch in der Badewanne nicht aufhörten. Aber irgendwann kam immer eine Unterbrechung.

Nach 3 Tagen ohne Schlaf und ohne Essen (mein Mann zwang mich jeden Tag 1 Scheibe Brot und ein wenig Rohkost zu essen, mehr bekam ich nicht runter) war ich körperlich, aber vor allem emotional und psychisch wirklich enorm angeschlagen.

Was uns immer wieder im Kurs gesagt wurde und auch in den Gesprächen mit den Hebammen war, dass echte Wehen A nicht aufhören, B u.a. daran zu erkennen sind, dass sie in der Badewanne verschwinden, man sie C veratmen muss und sie D eine gewisse Dauer und bestimmte Abstände haben müssten.

Bis auf den ersten Punkt traf das alles bei mir zu und der Spruch „wenn es wirklich losgeht, dann merkt ihr das“ machte mir zunehmend Angst. Denn wenn das keine Wehen sind und die genannten Kriterien bei mir anscheinend nicht dafür sprachen, dass es sich um echte Geburtswehen handelte, woran sollte ich dann erkennen, dass die Geburt nun beginnt? Wie lange musste ich warten, um zu sagen, dass die Wehen nicht mehr aufhören? Und wie heftig würden „echte Wehen“ sein, wenn das nur irgendeine unbedeutende Vorstufe war? Ich fühlte mich ziemlich allein gelassen und hilflos, hatte überhaupt keine Vorfreude mehr auf mein Kind und wollte nur, dass es aufhört.

Am ET selbst gab es keine Veränderung, aber ein Termin bei der Frauenärztin stand an. Die Ärztin hatte offenkundig Mitgefühl mit mir, denn man sah mir Schlafmangel und absolute Energielosigkeit (dank Eisenmangel und eben leerem Magen) inzwischen deutlich an. Zudem hatte sich der Muttermund 2cm geöffnet, sodass sie mir einen Wehencocktail empfahl, damit ich mich nicht weiter quälte, wie sie es formulierte.

Leider waren wie ich erwartet hatte meine Hebammen dagegen. Leider aus meiner damaligen Perspektive. Zum Glück im Nachhinein, denn es ging dann doch am nächsten Tag von selbst „richtig“ los.

Zuvor holte mein Mann noch Medikamte gegen Krämpfe im Geburtshaus ab, mit der Bemerkung der Hebamme, dass ich keine Angst haben sollte, gegen echte Wehen wirken diese nicht. Da mich die Hebammen nur am Telefon mitbekommen hatten, gingen sie wohl einfach davon aus, dass ich Magenkrämpfe hatte. Was mir zwar absurd vorkam, einfach vom Gefühl her, aber ich war inzwischen so verunsichert, dass ich mich gar nicht traute, nachzufragen geschweige denn um einen persönlichen Termin zu bitten.

In der Nacht lag ich wieder komplett wach. 4 Nächte mit je max. 1 Stunde Schlaf, nichts gegessen und wirklich am Ende. Mein Mann wurde mehrfach davon wach, weil ich vor Schmerzen weinte. Oder vermutlich mehr vor Angst, denn die „Krämpfe“ gingen natürlich nicht weg. Aber Wehen konnten es ja nicht sein – dachte ich -, denn sie fühlten sich genauso an, wie die Schmerzen, die mich seit 4 Tagen plagten und die hatten ja immer aufgehört. Ich hatte Angst, dass ich noch 2 Wochen warten müsste und vor allem vor dem, was mich noch erwartete, wenn wie gesagt das bisherige keine Wehen waren.

Nachdem diese „Krämpfe“ über 12 Stunden am Stück angehalten hatten, ich nichts anderes machte als wimmernd zwischen Bett, Sofa und Badewanne zu wechseln und die „Krämpfe“ erneut nicht verschwanden, als ich in der Badewanne lag, rief mein Mann – gegen meinen Willen – im Geburtshaus an.
Ich war mir sicher, dass es keine Wehen waren, denn sie waren wenn auch länger, nicht so schmerzhaft und intensiv wie das, was ich 4 Nächte zuvor über 7 Stunden am Stück hatte und ich wollte mich nicht nochmal „blamieren“.

Nachdem mein Mann mit der Hebamme telefoniert und die Situation geschildert hatte, fuhren wir dann doch ins Geburtshaus. Meine größte Sorge war, wieder weggeschickt zu werden. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich kaum an mein Kind dachte und irgendwie jeglichen Bezug dazu verloren hatte, was das Resultat der Geburt sein würde. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt nicht endlich Mutter sein und mein Kind in den Armen halten, ich wollte wirklich nur noch, dass es aufhört. Und auch wenn mir schon damals bewusst war, dass dieser Gedanke völlig irrational war und auf der enormen Belastung der letzten Tage beruhte, schäme ich mich in gewisser Weise immer noch dafür, nur an mich selbst gedacht zu haben.

Auch wenn dieser Bericht etwas „negativ“ und abrupt abbricht, habe ich mich hier für einen Einschnitt entschieden, denn der Part ab dem Zeitpunkt, zudem wir im Geburtshaus waren, ist etwas länger und gehört einfach zusammen, weshalb ich dort nicht mitten im Text ein „to be continued“ einfügen wollte. 😉 Es geht auf jeden Fall im Februar mit der „wirklichen Geburt“ weiter und wie ihr euch denken könnt, waren die Krämpfe natürlich doch Wehen, von daher wurde ab jetzt zumindest psychisch für mich alles besser. 🙂

Die ers­te Pha­se der Er­öff­nungs­pha­se, die La­tenz­pha­se be­ginnt mit dem Auf­tre­ten von Vor­we­hen, die be­züg­lich Fre­quenz, Dau­er und Stär­ke un­re­gel­mä­ßig sind und be­wir­ken, dass der vor­an­ge­hen­de Teil des Kin­des tie­fer ins müt­ter­li­che Be­cken ein­tritt, der Ge­bär­mut­terhals sich ver­kürzt, der Mut­ter­mund wei­cher wird und sich bis auf zwei bis drei Zen­ti­me­ter er­öff­net. Ty­pisch für Vor­we­hen ist, dass sie la­ge­ab­hän­gig sind und beim Lie­gen oder wäh­rend ei­nes Ent­span­nungs­ba­des eher nach­las­sen oder so­gar auf­hö­ren.

Die zwei­te, die ak­ti­ve Er­öff­nungs­pha­se, be­ginnt, wenn der Mut­ter­mund zwei bis drei Zen­ti­me­ter er­öff­net ist und die We­hen noch re­gel­mä­ßi­ger, stär­ker und län­ger wer­den. Die Pau­sen zwi­schen den We­hen wer­den kür­zer und die Kon­trak­tio­nen er­fol­gen in re­gel­mä­ßi­gem Rhyth­mus im Ab­stand von 3 bis 5 Mi­nu­ten. Die We­hen­dau­er be­trägt et­wa 60 bis 90 Se­kun­den. Durch die Er­öff­nungs­we­hen wird das Kind tie­fer ge­scho­ben und durch den Druck des vor­an­ge­hen­den Teils der Mut­ter­mund er­wei­tert. Bei zehn Zen­ti­me­tern ist der Mut­ter­mund voll­stän­dig er­öff­net.

Diese recht gängigen „Definitionen“ trafen bei mir nicht zu, es handelte sich, auch wenn über 4 Tage gezogen um die aktive Eröffnungsphase, da nicht lageabhängig, nicht vom Baden beeinflusst und in den unten beschriebenen Abständen!

Und jetzt würde mich die Frage wirklich brennend interessieren, wie das bei euch war! Wusstet ihr genau, wann es „wirklich“ losgeht oder wart ihr wie ich irgendwann völlig verunsichert? Begann eure Geburt ganz deutlich mit einem Blasensprung oder hatte vielleicht jemand wie ich den Fall, bei dem die typischen Kriterien nicht viel aussagten?  Ich habe im Freundeskreis keine wirklichen Vergleichswerte und würde mich über einen Austausch freuen, auch ob es sehr unterschiedlich war, wenn ihr schon mehrere Kinder zur Welt gebracht habt. 🙂 Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

Iris Maya

5 Kommentare

  1. Ich muss sagen, dass bei jeder meiner fünf Geburten am Ende „Fehlalarme“ hatte, wo ich dachte: Nun geht´s los. Das Fiese war einfach auch, dass gerade Mehrgebärende am Ende der Schwangerschaft vermehrt „herumwehen“. Ich konnte also öfters nicht schlafen, stand morgends um vier Uhr auf und richtete vorsichtshalber die Frühstücksbrote für die Kinder und – wenn die Kids wach waren, waren meine Wehen wie weggeblasen und nichts passierte. Außer, dass ich natürlich hundemüde war… Aber WENN die Geburt dann losging, dann war das tatsächlich jedes Mal wie ein déjà vu und ich wunderte mich über mich selbst, wie ich das vergessen konnte – ach ja, so war das… Einen Blasensprung hatte ich nur bei der ersten Geburt als Beginn. Meine Hebamme meinte, ich bin eine, die muss sich ein paar Stunden „einwehen“. Mit dieser Erwartung ging ich auch an die fünfte Geburt, die dann so ganz anders wurde als die davor. Auch da wurde ich also überrascht, nämlich in der Form, dass ich tatsächlich auch schnell und einfach gebären kann. Da hatte es die Hebamme gerade so geschafft, dabei zu sein 🙂 Liebe Grüße, Martha

    1. Ich finde das gerade super interessant zu lesen, v.a. weil in meinem kompletten Bekanntenkreis (auch ältere Generation mit mehreren Kindern) wirklich niemand die Erfahrung gemacht hat, dass es schon Tage vorher zu Wehen kommt. Also klar, Senkwehen, Vorwehen. Aber das was ich erlebt habe war wirklich was anderes, ich könnte die Wehen der 4 Tage vorher nicht von den Wehen unterscheiden zu den sagen wir ersten 4 Stunden im Geburtshaus. Klar gab es da Phasen mit Wehen die schwächer waren, aber grade diese über 7 Stunden Phase 4 Tage vorher war mindestens genauso intensiv und schmerzhaft wie die Wehen später. Mal sehen, ob ich auch generell so ein „Einweh-Typ“ bin. 😉

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